← Zurück zum Blog
Ratgeber5 Min. Lesezeit14. Februar 2026

Wertanrechnung: Was aus einem Haushalt heute noch verkaufbar ist

Nicht alles ist Schrott. Aber auch nicht alles ist Gold. Eine ehrliche Kategorisierung mit Marktpreisen aus unserem eigenen Shop.

Antiker Sekretär in einem Wohnzimmer

„Das Sofa ist noch gut, das muss doch Geld bringen." Einer der Sätze, die wir am häufigsten hören. Die ehrliche Antwort: in den meisten Fällen nicht. Der Gebrauchtmarkt für Polstermöbel ist seit 2019 kollabiert. IKEA-Regale sind sogar bei eBay Kleinanzeigen für geschenkt zu haben.

Das heißt aber nicht, dass aus einem Haushalt nichts verkaufbar ist. Es gibt sieben Kategorien, die fast immer einen realen Marktwert haben — und eine Handvoll Überraschungen.

Die sieben Kategorien mit Marktwert

1. Echte Antiquitäten (vor 1940)

Biedermeier, Jugendstil, Art Déco. Auch beschädigt: restaurierungswürdig, wenn die Substanz stimmt. Kirschbaum, Nussbaum, Mahagoni. Realistisch: 400–2.500 € pro Stück, bei Signaturen deutlich mehr.

2. Edelmetall-Schmuck

Gold ab 585er, Silber ab 800er, alles mit Punze. Materialwert + ggf. Sammlerzuschlag. Auch Bruchgold bringt zuverlässig 40–50 € pro Gramm bei aktuellem Goldpreis. Zähne sind auch Gold. Das steht in keinem Ratgeber, aber es ist so.

3. Markenporzellan komplett

Meissen, Rosenthal (Classic), Hutschenreuther. Nur als vollständiges Service für 6 oder 12 Personen. Einzelstücke verkaufen sich praktisch nicht mehr. Komplettservice für 8: 250–900 €.

4. Kunstdrucke, Grafiken, signierte Werke

Originalgemälde von Lokalkünstlern aus der Region: 200–1.200 €. Signierte Druckgrafiken (Lithografie, Radierung): ab 80 €. Unsignierte Kunstdrucke ohne Rahmen: meist 0 €.

5. Foto- und Musiktechnik, mechanisch

Mechanische Kameras (Rolleiflex, Leica, Hasselblad) sind Sammlerstücke. Grammophone, alte Radios (Braun SK-Reihe, Telefunken), Schallplattenspieler aus Holzgehäuse: 400–1.500 €. Röhrenverstärker werden unter der Hand gehandelt — Preise irrational hoch.

6. Handwerkliches Werkzeug

Alte Schreiner-, Schmiede-, Uhrmacher-Werkzeuge. Einzelstücke nicht der Rede wert, aber Konvolute mit Geschichte — Initialen, Werkstattschild, Gehilfenbuch — bringen 180–600 €.

7. Teppiche (handgeknüpft)

Perser, Buchara, Kilim. Die Spanne ist extrem: 60 € bis 6.000 €. Entscheidend: Knüpfdichte, Material (Seide, Kork), Herkunft, Zustand. Maschinengewebte Teppiche aus den 90ern sind wertlos.

Was überraschend oft was wert ist

Kleine Überraschungen

Alte Blechspielzeuge (Märklin, Schuco): 50–400 € pro Stück. Füllfederhalter (Montblanc, Pelikan): ab 80 €. Armbanduhren (auch nicht funktionsfähig): Uhrmacher kaufen Ersatzteile. Schellack-Platten (78 rpm): Sammler zahlen für bestimmte Pressungen bis 200 €/Stück. Alte Werkzeugkisten aus Holz: 60–150 €.

Was praktisch nie etwas wert ist

  • Polstermöbel nach 1970 — außer Designerstücke mit Label (Vitra, Knoll, Le Corbusier)
  • Sperrholz- und Pressspanmöbel — unabhängig vom Alter
  • Küchengeräte älter als 10 Jahre — Energieeffizienz und Reparaturmarkt tot
  • Bücher allgemein — Ausnahme: Erstausgaben, signierte Bücher, Kunstbände
  • VHS, DVD, CDs — außer seltene Vinyl-LPs

Wie wir gegenrechnen

Wenn wir zur Besichtigung kommen, prüfen wir den Bestand in dieser Reihenfolge:

  • Grobdurchgang, 15 Minuten — schnelle Sichtung aller Räume
  • Detailprüfung der Verdachtsstücke — Punzen, Signaturen, Funktion
  • Angebot: entweder Pauschalabzug (bei mehreren kleinen Stücken) oder Einzelankauf zu Festpreisen (bei einzelnen wertvollen Objekten)

Der Vorteil gegenüber reinen Entrümpelungsfirmen: wir verkaufen selber. In unserem Shop und auf eBay unter dem Namen ruempelfix-stuttgart (4,9 ★, über 1.800 Bewertungen). Das heißt, wir können einen realistischen Anteil am Wiederverkaufspreis gegenrechnen — meist 35–45 % vom zu erwartenden Marktpreis.

Ein seriöser Wertanrechnungs-Betrag liegt fast nie bei einer glatten Zahl. Wenn jemand „100 € Wertanrechnung" nennt, hat er nichts geprüft.

Wenn Sie unsicher sind, was in Ihrem Haushalt Wert haben könnte: schicken Sie uns 4–5 Fotos vorab. Wir geben eine erste Einschätzung per WhatsApp. Kostet nichts und oft fällt einem die wertvollste Sache selbst gar nicht auf.